Um euch mal über meine Arbeit auf dem Laufenden zu halten
Es ist schon eine sehr aufregende Zeit, die ich hier verbringe. Mal abgesehen davon, dass ich jetzt ungefähr alle Unwohlseintage hinter mir habe, dich ich hoffe, hier bekommen zu werden. Alles fing an mit einer Grippe; am ersten Tag, als ich unterrichtet habe, suchte mich diese heim. Dass ich die zwei darauffolgenden Tage noch arbeitete, machte die Sache nicht unbedingt besser und so lag ich mit Fieber im Bett. Daraufhin hatte ich ganz schlimme Halsschmerzen gefolgt von Stumm – Sein – Auf- Knopfdruck, da ich meine Stimme verloren hab, weil die Chrissi ja gedacht hat, sie könnte ihrer Stimme das noch antun, in höchsten Tönen zu trällern. Vor allem, weil diese ja für den Sopran so geeignet ist.. Tja, dann hatte ich nur noch Husten und Schnupfen, da hat sich aber ziemlich bald ein empörter Magen dazugesellt, weshalb ich zwei Tage nur auf dem Klo verbrachte . Und als ich alles hinter mir hatte, hab ich zur absoluten Krönung noch meine Tage bekommen! Was will man mehr?
Jetzt hab ich nur noch eine ganz kleine Erkältung.
Ich glaube ja, ich bin jetzt hier langsam angekommen. Ich kann durch die Straßen hier gehen und erkenne Leute wieder, kann sogar manchmal den Namen zuordnen, meistens aber den Ort, woher ich sie kenne. Ich renne nicht mehr ziellos durch die Gegend, sondern weiß mittlerweile, wo ich was finden kann. Mein Körper hat sich hier einen Rhythmus angewöhnt. Ich bin nicht mehr die ganze Zeit müde und habe meine Arbeiten.
Ich glaube ja, ich bin jetzt hier langsam angekommen. Ich kann durch die Straßen hier gehen und erkenne Leute wieder, kann sogar manchmal den Namen zuordnen, meistens aber den Ort, woher ich sie kenne. Ich renne nicht mehr ziellos durch die Gegend, sondern weiß mittlerweile, wo ich was finden kann. Mein Körper hat sich hier einen Rhythmus angewöhnt. Ich bin nicht mehr die ganze Zeit müde und habe meine Arbeiten.
Das Leben hier mit den Schwestern ist sehr schön, obwohl ich ein bisschen das Gemeinsame vermisse. Ich bin es gewöhnt, dass mindestens abends mal die ganze Familie in irgendeine Form vollständig ist. Doch das gibt es hier im Haus eigentlich so gut wie nie. Das liegt wohl an der Arbeitswut der Schwestern, die immer irgendein Treffen, eine Klasse oder ähnliches haben. Ich komme mit jeder Schwester sehr gut aus, mit Jacci rede ich nach wie vor fast nur Englisch. Für mich ist das sehr entspannend, da ich dann nicht mehr ganz so viel nach Wörtern kramen muss. Aber es ist total krass, wie mir hier zum Teil die einfachsten Wörter nicht mehr in Englisch einfallen, dafür aber in Spanisch. Dann gibt das eben manchmal eine Mischung aus allem.
Die anderen Schwestern sprechen eigenen Worten nach „mehr oder weniger“ oder „gar kein Englisch“. Auf eines muss man sich hier gefasst machen: Wenn die Leute sagen, sie könnten mehr oder weniger Englisch, dann bedeutet das im Klartext, dass sie mit Müh und Not herausfinden, was „What’s your name?“ bedeutet und sie dann darauf drucksend antworten können: „My name is…“. Gar kein Englisch sprechen ist, wenn man hin und wieder ein Wort auf Englisch aussprechen kann, dass aber vom Geschriebenen dem Spanischen sehr ähnlich ist.
Also unterhalte ich mich mit den dreien auf Spanisch, oder versuche es zumindest. Sie bezeichnen mich immer als „chistosa“ und krümmen sich vor Lachen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass „chistosa“ „lustig“ bedeutet, hab aber das Wort leider noch nicht nachgeschlagen. Das muss dringend auf meine To –Do – Liste…
Doch was mache ich hier eingentlich?
Insgesamt bin ich in vier Einrichtungen zu finden.
Meine Hauptaufgabe habe ich bei „Fe y Alegría“. Das ist eine riesige Schule, die den Kindergarten, Grundschule und Sekundarstufe zusammenfasst. Sehr interessant finde ich hier das Schulsystem. Da es hier an Vielem mangelt, aber nicht an Kindern, hat man einfach zu wenig Platz und Lehrer für die ganzen Schüler. Also hat man das Problem ganz schlau gelöst: Man arbeitet schichtweise. Das bedeutet, dass die eine Hälfte der Schule morgens von 7:45 Uhr bis 13:00 Uhr in die Schule geht und die andere Hälfte von 13:00 Uhr bis 18:00 Uhr in die Schule kommt. So haben immer zwei Klassen ein Klassenzimmer und so weiter und so fort. Eine Klasse besteht hier im Normalfall aus 40 Schülern, manchmal einer weniger, manchmal drei mehr.
Als ich mit Schwester Jacci auf der Suche nach meinen Arbeiten war, waren wir beide der Meinung, ich würde eben einen Hilfsjob bekommen. Sprich, ich gehe in eine Klasse und versuche, die Kinder zu Ruhe zu bewegen, oder – in den jüngeren Klassen – die streitenden Kinder auseinander zu zerren. Doch leider hat mich die Rektorin auf einer Totenwache gesehen, bei der mich Schwester Karina gleich als die neue Freiwillige vorgestellt hat, die in Fe y Alegría arbeiten wird. Tja, und da hat die Schwester Inés (die Rektorin, auch Schwester, aus Spanien, aber ein anderer Orden) gleich spitzgekriegt, dass ich nicht die totale Anfängerin in Spanisch bin.
So habe ich jetzt die ehrenhafte Aufgabe, 8 Klassen in Englisch zu unterrichten. Alleine! Im Klartext sind das 40 Schüler pro Klasse, also hochgerechnet 320 Schüler auf zwei Tage in der Woche verteilt. Wenn ich Kopien mache, habe ich immer den größten Stapel von allen. Der Grund, warum ich eben Englisch unterrichten darf ist ganz einfach. Ich kann Englisch und ein bisschen Spanisch, dass dazu ausreicht, die Sätze zu übersetzen, die ich den Kindern beibringe. Und zu so etwas ist an der Schule sonst niemand in der Lage, zumindest nicht für die Primaria (Grundschule – die geht hier bis zur 6. Klasse). Es gibt noch zwei weitere Freiwillige hier aus Tübingen, die können aber noch nicht so gut Spanisch.
In meiner ersten Englischstunde war ich schon etwas mehr als geschockt, was das hier eigentlich sein soll. Die konnten meiner Definition von oben nicht einmal „überhaupt kein Englisch“. Und das nach eben über einem Jahr Unterricht! Wobei man ihnen zu Gute halten muss, dass sie englische Worte wie „Ant“ (Ameise) doch gekonnt haben, aber einfach grundlegende Dinge nicht. Ich bin sehr froh, dass meine Vorgängerin hier wirklich saubere Arbeit geleistet hat. Sie haben doch wirklich noch einige Worte behalten.
Zu mir hieß es, ich sollte eben Spiele mit den Kindern machen und singen. Ihnen also Englisch auf spielerische Art und Weise beibringen. Aber Spiele machen ist gar nicht so einfach, da sich Männlein und Weiblein in diesem Alter auf keinen Fall berühren können. Oder gar ein Mädchen vor einen Jungen stehen und andersrum. Das ist zu viel!
Und eigentlich ist es mir zu blöd, immer ein Lied mit denen zu singen. Die sollen ja schließlich auch was lernen. Deshalb habe ich dann, nachdem in einer Klasse mein vorbereitetes Spiel total in die Hose gegangen ist, da es einen regelrechten Geschlechterkrieg gab, einfach ein Klatschspiel gemacht. Und – oh Wunder! – danach konnten die Kinder „Are you ready?“ fragen und ein paar Antworten darauf. Das ist ja schon mal ein Anfang. Sehr interessant ist auch die Tatsache, dass, wenn man in das Klassenzimmer kommt, und „Good Afternoon“ oder „Good morning“ sagt, einen 40 große Augenpaare anschauen und den man meinen könnte, die hätten soeben einen Marsmenschen gesichtet, der versucht, ihnen Cola zu verkaufen! Also komme ich jetzt jede Stunde rein, begrüße sie und wenn's nicht klappt, dann üben wir eben noch einmal.
Sehr nett finde ich auch zwei Lehrer, die die Klassen im Normalfall unterrichten. Die müssen dann ja drin bleiben, falls ich etwas nicht verstehe, um zu vermitteln… auf Spanisch – versteht sich. Die sind mit vollem Elan dabei, sprechen die Antworten im Chor mit und überlegen auch, was für ein Wort denn jetzt fehlen könnte. Leider sind nicht alle Lehrer so. Eine Lehrerin kenne ich nur vom Klassenzimmer aufschließen. Kaum drehe ich ihr dann das erste Mal den Rücken zu, ist sie –fump! – draußen, kommt dann zehn Minuten mit einem Kuchen wieder, lässt den liegen und ist dann gar nicht mehr anzutreffen. In meiner ersten Stunde bei ihr war ich nicht darauf gefasst, dass sie gar nicht da ist und war dann 20 Minuten zu lang im Unterricht. Das heißt, die Kinder hatten fast eine Doppelstunde Englisch. Und ich hab mich gewundert, wann denn die Stunde endlich aufhört, da mir langsam die Ideen ausgingen. Dann kam eine Lehrerin und war ganz verwundert, dass ich da wäre, da sie jetzt (noch genau 20 Minuten) Unterricht hätte. Tja, da bin ich dann mal ganz flugs zu meiner nächsten Klasse… 20 Minuten zu spät.
Überhaupt checke ich hier die ganzen Zeiten nicht so ganz. Eine Unterrichtsstunde geht 40 Minuten. Drei Stunden hat man im Block (ohne 5 Minutenpause, das bedeutet, dass man sowieso nie rechtzeitig in den Klassen sein kann, da keine Zeit zum Klassenwechseln eingeplant ist) und danach Pause. Aber wie lange? Keine Ahnung. Heute war es ganz toll. Ich bin mit den zwei Tübingern und einem Lehrer der Grundschule in der Pause gestanden, und plötzlich kam ein ganz schriller Rückkopplungston. – Kein Mensch rührt sich! Also laber ich munter weiter, weil ich dachte, dass ich noch Pause hätte. Was ich nicht wusste: Das war der Pausengong! Aber alle Kinder haben schön weitergespielt, die Lehrer haben sich nicht gerührt und gar nichts. 10 Minuten nach dem Pausengong kommt dann immer ein Warnaufruf für die Schüler, dass sie nun sofort ihre Klassenzimmer aufsuchen sollen. Auch die Lehrer bekommen hin und wieder eine solche Verwarnung. Und zu allem Übel war genau meine Klasse die wahrscheinlich einzig pünktliche Klasse der ganzen Schule.
Die Kinder haben übrigens nur 40 Minuten in der Woche Englischunterricht. Ich hab mir heute mal einen Stundenplan der 6. Klasse der Grundschule angeschaut. Dafür haben die mindestens einen Tag nur Mathe. Aber das ist auch nochmal ein Thema für sich.
Als ich nun so meines Weges in der Schule ging, als ich gerade fertig mit meinem ersten Arbeitstag war, kam Schwester Inés ganz aufgeregt zu mir hin und fragte mich, warum ich denn nur zwei Tage an der Schule arbeiten würde. Ich erklärte ihr, dass die Konrektorin mir nur das zur Wahl gestellt hätte. Da meinte sie zu mir, ich sollte doch zum besseren Spanisch lernen – zur Entspannung sozusagen - doch noch in den zweiten Klassen mithelfen. Dort verbringe ich eben meine Zeit damit, streitende Kinder auseinander zu ziehen, Mathematik zu erklären, wobei mir das erste Mal auch die Wörter nicht eingefallen sind… oder andere Hilfsjobs erledige. Ganz ehrlich, so entspannend finde ich das nicht. In der letzten Stunde, als ich in der zweiten Klasse war, haben die Kinder zu Feier des Tages, da der internationale Tag des Friedens war, eine außerordentliche Sportstunde. Die Lehrerin ließ die Kinder in zwei Raihen aufstellen, Männlein und Weiblein getrennt und sagte mir, ich solle mit den Mädels zum Sportplatz laufen. Sie käme gleich. Also bin ich zum Sportplatz und die Lehrerin ließ auf sich warten und warten... nach einiger Zeit kam sie dann umringt von den ganzen Jungs und fing auch gleich an, die Klasse in zwei Gruppen aufzuteilelen. Allerdings nur die Jungs. Dann steckte sie sich eine Trillerpfeife in den Mund und gab den Jungs den Anpfiff zum Fußballspielen. Währenddessen machten die Mädels fröhliche Kreistänze und spielten Fangen. Irgendwann wollte sich eine Gruppe verziehen, weshalb ich dachte, ich spiele jetzt einfach mal ein paar Spiele mit ihnen, dass sie wenigsten ein bisschen beschäftigt sind. Das hat dann auch ganz gut geklappt.
Nach etwas 40 Minuten, in denen ich die meiste Zeit auf dem Boden lag und ungefähr 15 Mädels auf mir drauf, weil sie mich als Rettungsinsel auserkoren hatten, die sie bei einem Spiel brauchten und an mir zogen und zerrten, dass sie mich auch ja berührten, waren die Mädels an der Reihe, Fußball zu spielen. Also wollte ich mit den Jungs spielen. Aber das war gar nicht so einfach! Plötzlich hatte ich nur noch zwei von den Kindern um mich herum, da die anderen sich alle verzogen hatten und die beiden das Pech hatten, dass ich sie an der Hand genommen hatte. Ich zwang sie regelrechte ein kleines Kämpfspiel zu machen, an dem am Schluss alle Jungs begeistert teilgenommen hatten. Aber bevor es so war, war es etwas schwierig. Da ich ja nicht wusste, wo die Jungs alle hingerannt sind, habe ich auf die wenigen aufgepasst, die noch im Blickfeld waren. Die anderen Lehrer schien das auch nicht im Geringsten zu stören, dass eigentlich nie jemand wirklich da war. Plötzlich kam ein Kind hinter einem Haus hergeschossen und schrie: "Christina, kommen Sie, Christina, kommen Sie!!! Die beerdigen gerade jemanden!" Ich renne natürlich sofort mit hinters Haus und sah noch den unvermittelten Schluss der Beerdigungszeremonie. Die Kinder hatten innerhalb von 10 Minuten ein riesiges Loch im Wüstensand ausgebuddelt, in das locker und lässig 3 Kinder reinpassten. Tja, und da hatten sie ein Mädchen auserkoren, dass keine Lust auf Fußball hatte, dass sie beerdigen wollten! Als sie mich anrennen sahen, stoben sie aber sofort auseinander! Aber sonst ist es schon okay hier. Eine Lehrerin hat mich gefragt, ob ich nicht auch dort Englisch unterrichten wolle.
Nach etwas 40 Minuten, in denen ich die meiste Zeit auf dem Boden lag und ungefähr 15 Mädels auf mir drauf, weil sie mich als Rettungsinsel auserkoren hatten, die sie bei einem Spiel brauchten und an mir zogen und zerrten, dass sie mich auch ja berührten, waren die Mädels an der Reihe, Fußball zu spielen. Also wollte ich mit den Jungs spielen. Aber das war gar nicht so einfach! Plötzlich hatte ich nur noch zwei von den Kindern um mich herum, da die anderen sich alle verzogen hatten und die beiden das Pech hatten, dass ich sie an der Hand genommen hatte. Ich zwang sie regelrechte ein kleines Kämpfspiel zu machen, an dem am Schluss alle Jungs begeistert teilgenommen hatten. Aber bevor es so war, war es etwas schwierig. Da ich ja nicht wusste, wo die Jungs alle hingerannt sind, habe ich auf die wenigen aufgepasst, die noch im Blickfeld waren. Die anderen Lehrer schien das auch nicht im Geringsten zu stören, dass eigentlich nie jemand wirklich da war. Plötzlich kam ein Kind hinter einem Haus hergeschossen und schrie: "Christina, kommen Sie, Christina, kommen Sie!!! Die beerdigen gerade jemanden!" Ich renne natürlich sofort mit hinters Haus und sah noch den unvermittelten Schluss der Beerdigungszeremonie. Die Kinder hatten innerhalb von 10 Minuten ein riesiges Loch im Wüstensand ausgebuddelt, in das locker und lässig 3 Kinder reinpassten. Tja, und da hatten sie ein Mädchen auserkoren, dass keine Lust auf Fußball hatte, dass sie beerdigen wollten! Als sie mich anrennen sahen, stoben sie aber sofort auseinander! Aber sonst ist es schon okay hier. Eine Lehrerin hat mich gefragt, ob ich nicht auch dort Englisch unterrichten wolle.
Am Ende meines zweiten Tages kam Patty (die Konrektorin) auf mich zu und sagte, sie hätte noch einen anderen Job für mich. In „Aprendamos Juntos“ („Lernen wir gemeinsam“). Da gefällt es mir sehr gut. Aprendamos Juntos ist eine Einrichtung hier an der Schule (oder an allen Fe y Alegría – man könnte diese Schule als riesige Supermarktkette bezeichnen… nur eben als Privatschulkette), die sich mit lernschwachen Kindern beschäftigt. Und die hat es hier zu genüge. Es sind ziemlich viele Kinder hier, die in der zweiten Klasse weder lesen noch schreiben können! Denen wird in Aprendamos Juntos durch Lernspiele und Einzelunterricht geholfen. Die Kinder finden das alles ganz toll. Und ich muss sagen, ich auch. Zum Beispiel werden am Anfang jeder „Gruppensitzung“ die Regeln durchgegangen. Und am Ende der Stunde wird jedes Kind gefragt, ob es sich daran gehalten hat. Und die Kinder sind total ehrlich und sagen „Ja“ oder „Nein“. Und wenn sie artig waren, bekommen sie einen Stern. Bei 6 Sternen kriegen sie ein Geschenk. Es ist aber wirklich erschreckend, wie viele Kinder hier in der zweiten Klasse kaum ihren Namen schreiben können. Da gibt es in jeder zweiten Klasse 2 oder 3 Kinder.
Colegio Especial de la Misericordia
Das ist eine Schule für spezielle Kinder. Also Kinder mit Behinderung. Hier bin ich seit heute untergebracht und gehe montags und dienstags morgens dorthin, bevor ich nach Fe y Alegría muss. Da gefällt es mir auch sehr gut. In der Gruppe, die ich betreue (die Kinder sind ungefähr 5 oder 6) sind es 5 Kinder. Zwei davon haben das Down – Syndrom, bei den anderen weiß ich gar nicht, was genau sie haben. Auf jeden Fall sind sie alle sehr eigenwillig und dickköpfig.
Leslie ist mit Abstand die sturste. Wenn sie sich nicht hinsetzen will, aber man gerade „Unterricht“ (natürlich auf die Kinder zugeschnitten) macht, dann muss man sie regelrecht zu ihrem Stuhl zerren! Hält sie sich dann noch irgendwo fest, hat man fast verloren. Denn aus irgendeinem Grund sind hier alle Kinder sehr kräftig und schwer, auch wenn sie zum größten Teil nicht so aussehen. Pfuscht man ihr in ihren Sachen herum, dann kann sie auch sehr böse werden. Sehr gerne steht sie vor dem Spiegel lacht sich an, oder aus, und zieht Grimassen.
Anthony ist am Down – Syndrom erkrankt. Wenn ihm etwas nicht passt, dann rennt er einfach mal aufs Klo. Danach kann man dann mit ihm die Hände waschen, da sie das alle nicht machen, da alles vollgespritzt ist. Er ist aber ein ganz lieber, der auch meistens das tut, was man von ihm verlangt. Außer, er muss einem gerade zeigen, wie toll er ist oder er will sich irgendetwas in den Mund stecken.
David hat auch Trisomie 21, ist aber im Allgemeinen ruhiger als Anthony und die anderen. Er kann auch einfach mal zu dir kommen und dir einen Kuss auf die Backe drücken.
Víctor ist groß und sehr kräftig mit einem Pilzschnitt. Er rennt eigentlich immer weg und schlägt eine Plastikflasche und ein Riesenlegostein unetwegt aufeinander. Wenn man dann zu ihm geht und sagt: „Gib das mir!“, dann gibt er es her, lässt sich an den Platz führen, ist aber 2 Minuten später schon wieder unterwegs. Wenn er gerade seine Null - Bock - Phase hat, dann waalt er sich auf einer Turnmatte herum, bis man ihn mit Müh und Not wieder zu seinem Tisch gebracht hat.
Cristhoper (Nein, das ist kein Verdreher, das Kind wird so geschrieben!) mag keine lauten Geräusche oder Rascheln oder Ähnliches. Wenn er sich aber über etwas freut, dann gibt er ziemlich hohe Töne von sich. Er kuschelt sehr gerne und muss auch immer schauen, was man heute in den Taschen hat. Außerdem hat er seine Phasen, in denen er bocken kann ohne Ende. Dann will er kurz danach getröstet werden und setzt sich auf meinen Schoß, lehnt seinen Kopf an meinen und beginnt zu weinen. Sehr nett! Nachteil ist, dass er sich dann immer an den Haaren festhalten muss und das schon ziemlich weh tut!
Deporte y Vida wird von einer total coolen Italienerin (die mit dem VW .Käfer, der rechte Außenspiegel ist übrigens mittlerweile verschwunden…) geleitet, die das alles wirklich mit Herzblut macht. Deporte y Vida ist eigentlich ein Jugendtreff. Die Kinder können nach oder vor der Schule kommen, je nachdem, ob sie eben mittags oder morgens Unterricht haben, Hausaufgaben machen, ins Internet gehen, Spiele spielen und es gibt ganz viele Angebote wie Theatergruppe, Tanzgruppe oder Ähnliches. Meistens helfe ich dort bei den Hausaufgaben.
Das erste Kind, dem ich geholfen habe, hatte als Hausaufgabe aus, die Zahlen von 1 bis 10 nachzuschreiben. Sie waren bereits auf dem Blatt gestanden. Er musste nur noch die Zahlen darunter schreiben. Nach eineinhalb Stunden haben wir dann eine „Eins“ hinbekommen, die zwar eher wie eine verkrüppelte Sieben aussah, aber zu mehr war das arme Kind nicht mehr fähig.
Die Kinder wollen immer gleich mit mir Fußball spielen und zu meiner Überraschung kann das ja Spaß machen. Also mit Kindern. Außerdem bin ich auch hier wieder für Englisch zuständig, da Ysabel, die die Bibliothek betreut, in der die Kinder die Hausaufgaben machen, leider kaum ein Wort Englisch spricht. Ich habe allerdings auch den Eindruck, dass sie nicht allzu gut in Mathe ist, da sie sich dann irgendwann verzogen hat, während ich einem Mädchen mit Händen und Füßen versucht habe, zu erklären, warum man 3x und 2 nicht zusammenrechnen kann.
Im Gegensatz dazu hat mir dann das Mädchen das erste Mal in meinem Leben wirklich so, dass ich es verstehe, einige mathematische Zeichen wie „vereinigt mit“ erklärt. Danach konnte ich ihr dann die Hausaufgaben erklären. Ich glaube, ich komme hier als Fußballspielerin zurück, die perfekt Kopfrechnen kann! =P
Es gibt noch eine weitere Station von Deporte Y Vida, in der ich Englisch unterrichte. Einfach zum Spaß, an die Kinder, die wollen. Und das sind unglaublich viele Kinder!!! Dort werde ich einfach nur noch "Miss" genannt. Die Amerikanerinen, die dort helfen, sind Senoritas und ich bin Miss. Interessante Sache.
Es gibt noch eine weitere Station von Deporte Y Vida, in der ich Englisch unterrichte. Einfach zum Spaß, an die Kinder, die wollen. Und das sind unglaublich viele Kinder!!! Dort werde ich einfach nur noch "Miss" genannt. Die Amerikanerinen, die dort helfen, sind Senoritas und ich bin Miss. Interessante Sache.
Sonntags bin ich bei der Katechese mit dabei. Meine Hauptaufgabe ist eben, die ganzen Lieder einzustudieren, die gerade zum Thema passen. Das kann schon ziemlich nervenaufreibend sein, da hier die Akkorde in „Do Re Mi Fa So…“ aufgeschrieben sind und nicht in „C D E F G A H C“, wie ich das gewöhnt bin. Wenn mir da jemand helfen kann: Was ist ein Moll von „Do“? Ein „dom“??? Und was ist vermindert und erhöht??? Also ich steig das Ganze nicht so wirklich.
Ich muss sagen, ich finde die Kinder hier total nett, auch wenn ich peniebelst darauf achten muss, auch immer meine Haare zusammengebunden zu haben, wenn ich keine Läuse haben will. Es ist total süß, wie sich die meisten Klassen immer freuen, mich zu sehen. Auf dem Schulhof kommen immer Kinder zu den Lehrern und begrüßen sie mit einem Kuss auf die Backe. Auch sonst sind sie total anhänglich... aber ich hab da gar nichts dagegen. Ich find das total süß.
Mein Fazit ist: Es gibt hier unglaublich viel Arbeit, ich fühle mich wohl und freue mich auf den Sommer, vermisse im Augenblick nicht sooooooooooo viel von Deutschland, wenn ich alleine bin, wichtige Personen. Doch da das fast nie vorkommt, bin ich die meiste Zeit relativ abgekenkt und kann gar nicht so viel an zu Hause denken!
Liebste Grüße an Peru =)
die Eine
Mein Fazit ist: Es gibt hier unglaublich viel Arbeit, ich fühle mich wohl und freue mich auf den Sommer, vermisse im Augenblick nicht sooooooooooo viel von Deutschland, wenn ich alleine bin, wichtige Personen. Doch da das fast nie vorkommt, bin ich die meiste Zeit relativ abgekenkt und kann gar nicht so viel an zu Hause denken!
Liebste Grüße an Peru =)
die Eine
2 Kommentare:
ja hei meine Chrissi!
also hab mich jetzt durch deine 2 leztten einträge geslesen! wow hst ja viel zu erleben! ich bin hier grad 3 tage alleine in BC zum Mathevorkurs und von der einsamkeit etwas deprimiert;die anderen kommen erst am WE.
übrigens:wenn du denkst die Mathelehrer waren schlimm, dann komm mal her und hör diesem Prof zu... ehrlich gesagt... ich vermisse unseren Wohli!
Da freu ich mich auf Bio.
also dann dir weiter einen guten Weg!
gaaaanz liebe grüßle!!!!!
drück dich
Hallo du Eine,
da ich eigentlich beim Anderen immer lese war ich so frech und hab dein Posting gelesen. Wollte bloß schreiben was es mit dem „chistoso“ auf sich hat, es kann bedeuten spaßhaft, witzig, spaßig, scherzhaft oder drollig.
Ich habe ja den Eindruck, dass passt irgendwie zu Dir, zumindest was ich aus deinen Postings gelesen habe :-). Wünsche Dir und dem Anderen weiterhin viele interessante, tiefe, schöne Erfahrungen bei Euren Aufenthalten auf der anderen Seite!
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