Die Eine plaudert aus dem Nähkästchen
Heute zum Thema: Die Verkehrslage in Lima
Heute zum Thema „ die Verkehrslage hier in Lima“
Wie man vielleicht schon herauslesen konnte, bin ich nicht der beste Freund der öffentlichen Verkehrsmittel hier. Ich finde es total spannend und man hat nach solch einer Fahrt immer etwas zu erzählen, aber es ist eben doch ein bisschen anstrengend, da man nie genau weiß, welchen Bus man jetzt nehmen muss, oder sonstiges… Es ist das reinste Chaos (Ich habe echt mittlerweile Probleme mit den Artikeln. Muss bei jedem dritten Nomen überlegen, wie das denn jetzt nochmal war! Wer hat sich denn den Schrott ausgedacht??? Der, die, das… es gibt alles… und beinahe kein Regel, wie man sich das herleiten könnte!)
Das Bild, das sich hier jeden Tag aufs Neue zeigt, ist Folgendes: Man kommt an eine der großen Straßen, auf dem „Gehweg“ tummeln sich Menschenmassen, Straßenverkäufer, Hunde, Diebe, Schuhputzer und so einiges mehr. Manchmal eben auch ich.
Wenn die Busse an dir vorbeifahren oder an den großen Haltestellen (es gibt festinstallierte Haltestellen, habe aber keine Ahnung, warum… das interessiert niemanden hier die Bohne, eigentlich sind das eben die Straßenecken, die großen Haltestellen) halten, dann wird immer etwas aus dem Fenster gebrüllt. Wenn man sich ein bisschen auskennt, dann begreift man irgendwann, dass das großen Haltestellen sind, die sie anfahren. Neben dem andauernden Gehupe und dem üblichen Lärm, der lauten Musik bildet sich so ein relativ großer Geräuschpegel.
Übrigens kann man einsteigen, wo man will. Hauptsache, man ist in Sichtweise des Cobradors (ich nenne sie Zöllner – also die Leute, die das Geld einsammeln) oder des Fahrers ist. Man reißt einfach die Hand in die Höhe, hält Blickkontakt mit dem Fahrer und hofft darauf, dass er anhält. Das ist auch meist der Fall.
Im Bus dröhnt einem erst einmal gellend laute Musik in den Ohren, das geht über „Unbreak my heart“ zu den Back Streat Boys über zu „Tekno en la kalle“ oder zu „la hora loca“ über. Ich komme immer mit irgendeinem Ohrwurm raus, was mich meistens aber nicht ganz so freut.
Leider kann man nicht unbedingt aussteigen, wo man will. Da gibt es nämlich paradoxerweise feste Haltestellen, die man erstmal begreifen muss. Zum Beispiel gibt es die Haltestelle „Cola“. Oder „Puente Azúl (blaue Brücke), jedoch ist die Brücke nicht blau, noch ist irgendwo irgendetwas mit Cola auszumachen. Das mit „Cola“ kommt daher, dass sich dort früher ein Colaschild befand, das aber schon seit Jahren abmontiert wurde. Keine Ahnung, warum die Brücke „Azúl“ heißt. Vielleicht wurde sie blau geplant, aber man ist noch nicht dazu gekommen , sie blau zu streichen. Wer weiß???
Wenn man nun den tiefen Wunsch hegt, auszusteigen, dann sagt man zum Beispiel „Avenía Sol, baja“ und der Cobrador brüllt das dem Fahrer zu, der wiederum wiederholt, hält an, die Tür wird aufegrissen, man steigt aus, während der Cobrador das ewige Lied seiner angefahrenen Haltestellen singt, oder einen bedrängt, sich doch endlich zu beeilen.
Eine sehr nette Idee ist auch das Stempeln: An bestimmten Orten rennen die Cobradors aus dem Bus, zu einem Stand, einer Ecke, zu einem Menschen, stempeln ab, rennen wieder in den meist schon fahrenden Bus rein, und brüllen eine Zahl. Hier geht nämlich NICHTS nach dem altbewährten Prinzip des Fahrplans. Das ist die Art, wie hier der Fahrplan immer neu zusammengeschustert wird. Durch das Abstempeln wird die Zahl festgehalten, wann der Bus an der Haltestelle war, oder ob er seine Route einfach ein bisschen abgekürzt hat. Wenn Menschen draußen stehen, dann sagen die den Fahrern, wann der letzte Bus ihrer Linie hier war. Ist nun viel Zeit dazwischen, dann muss der Bus rasen, wenn weniger Zeit vergangen ist, dann sollte der Bus langsam fahren. Dieses Prinzip verspricht anscheinend einen fließenden Verkehr… ich wage das bei den vielen Staus, in denen ich mich befinde aber zu bezweifeln.
In den Bussen sind auch immer Straßenverkäufer anzufinden, die einsteigen, durch den Bus rennen, ihre Leidensgeschichte erzählen und dann ihre Ware verkaufen. Sehr oft sind das Süßigkeiten, die unter die Leute gebracht werden, oder es wird in eineinhalb Minuten erläutert, warum Zähneputzen denn so wichtig ist. Danach werden natürlich Zahnbürsten oder auch Handyanhänger, Schmuck „echt silber“ oder Tüten verkauft. Manchmal rennen auch einfach so Bettler im Bus herum und bitten um Geld für ihre Medizin oder etwas zu essen. Nicht selten sind auch Straßenmusikanten zu hören.
Als „Gringa“ (Ausländerin) habe ich hier auch so meine Probleme, zum Beispiel ein Taxi zu einem ordentlichen Preis zu bekommen. Ich werde hier als Goldesel angesehen und mir wird eigentlich immer zu viel abgeknöpft! Also lasse ich einfach Peruaner einen guten Preis aushandeln, während ich mich etwas wegdrehe, damit wir zum Normalpreis reisen können. Das ist meist das Problem beim Taxi oder Mototaxi, in Bussen, in denen es einen festen Preis gibt, ist das Problem minimiert, aber nicht ausgeschlossen. Eigentlich geht man immer davon aus, dass die „Gringa“ keine Ahnung hat und schon zahlen wird.
Taxifahren ist auch eine sehr schöne Sache hier. Es wird von den Taxifahrern penibelst darauf geachtet, dass die Person, die vorne sitzt auch ja angeschnallt ist, hinten können sich die Leute aber stapeln. Das interessiert sie eher weniger. Im Übrigen auch die Polizei nicht. Die will nur sehen, dass die vordersten Personen angeschnallt sind. In den Kleinbussen übrigens auch. Das zweite Mal in einem Taxi saß ich vorne, hinten saßen ziemlich unbequem 5 Nonnen, da wir uns gerade ein Taxi teilten und sie mir das glaube ich nicht antun wollten, dass ich mich mit ihnen auf eine Bank quetschen muss. Ich wurde gerügt, da ich nicht angeschnallt war, während die Nonnen hinten aus den Fenstern hingen, um überhaupt noch atmen zu können.
Eigentlich wird der Nahstverkehr hier durch die unzähligen Mototaxis dominiert, die wirklich sehr gefährlich sind. Mototaxifahrer brauchen nicht unbedingt einen Führerschein, wenn ich das richtig mitbekommen habe, und kennen sich auch dementsprechend im Verkehr aus. Sie spielen Geisterfahrer, rasen in jede Lücke, die sich bietet… wenn sich keine Lücke bietet, dann schaffen sie sich einfach ein bisschen Platz. An Kreuzungen wird grundsätzlich nicht gehalten oder geschaut. Da prescht man einfach los. Meinen zwei Tübinger Freunden wurde gleich bei der ersten Fahrt erklärt, dass sie im Mototaxi immer ihre Augen offen halten sollten und den Fahrer auch auf eventuelle Gefahren aufmerksam machen sollten. Die hätten es nämlich nicht so mit dem Schauen. Ja, da geht einem aber manchmal das Zäpfchen hier, wenn man eigentlich total ungeschützt in diesem paradeischen Käfig sitzt und sich von Neuem bewusst wird, dass man keinerlei Knautschzone um sich rum hat, wenn man nun einen Unfall hätte.
Ich bevorzuge doch manchmal einfach laufen… ich glaube, am versteht auch, warum…
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